Martin Gombert

Nachruf – Martin Gombert gestorben

Ahlen, 5. Januar 2004 (sts). Martin Gombert ist tot. Der Gewinner der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt von 1967 starb am Sonntag im Alter von 60 Jahren in seiner Wohnung in Ahlen. Gombert, Ahlens erster Radprofi, gehörte in seiner aktiven Zeit zu den besten deutschen Radrennfahrern. Neben dem Sieg bei der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt zählen zu seinen Amateurzeiten zwei zweite Plätze bei der Luxemburg-Rundfahrt zu seinen größten Erfolgen. Mit derNationalmannschaft wurde Gombert bei den Weltmeisterschaften 1967 in den Niederlanden im 100-Kilometer-Mannschafts-Zeitfahren Vierter. „Das war damals eine absolute Sensation“, erzählte Gombert noch zu seinem 60. Geburtstag im März vergangenen Jahres von seiner erfolgreichen Laufbahn.

Sein Traum von den Olympischen Spielen, für den Gombert auf zwei Jahre seiner Profikarriere verzichtete hatte, konnte Gombert nie verwirklichen. Obwohl er für die Spiele in Mexiko nominiert war, wurde der Nationalfahrer 1968 kurz vor den Spielen noch aus dem Team genommen. Als Profi, er fuhr für das Team Batavus Alcina, konnte er später nicht mehr an seine Erfolge in der Amateurklasse anknüpfen.

Mit seiner Erfahrung begleitete er dafür einen anderen Ahlener Rennfahrer auf dem Weg ins Profigeschäft. Im Nachwuchsbereich war er oftmals Ansprechpartner für den heute für das Team T-Mobile fahrenden Rolf Aldag. Auch abseits der Radrennen ist Gombert dem Radsport bis zu seinem Tod treu geblieben. Regelmäßig war er mit Freunden zu Trainingsfahrten in der Region oder auch über die französischen Alpenpässe unterwegs. Auch für dieses Jahr hatte Gombert wieder eine Reise mit dem Rennrad geplant. Die Beerdigung findet am Freitag im engsten Familienkreis statt. Die Radsportfreunde Ahlen sind vom Tode Martin Gomberts tief betroffen.

Martin Gombert wird 60

gombert-privatAhlen, 14. März 2003 (sts). Die Radsportfreunde Ahlen gratulieren Martin Gombert: Gombert, Ahlens erster Radprofi und 1967 Gewinner der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, feiert heute seinen 60. Geburtstag. Zu den größten Erfolgen des Ahleners gehörten zu seinen Amateurzeiten außerdem zwei dritte Plätze bei deutschen Meisterschaften und zwei zweite Plätze bei der Luxemburg-Rundfahrt. Mit der Nationalmannschaft feierte Gombert seinen größten Triumph bei den Weltmeisterschaften 1967 in den Niederlanden, wo er im 100-Kilometer-Mannschafts-Zeitfahren Vierter wurde. „Das war damals eine absolute Sensation“, erinnert sich Gombert.

Sein großer Traum von den Olympischen Spielen, für den Gombert den Wechsel zu den Profis zwei Jahre lang aufgeschoben hatte, konnte Gombert nie verwirklichen. Obwohl fest für das Aufgebot des Bundes Deutscher Radfahrer für Mexiko nominiert, wurde der Nationalfahrer im September 1968 kurzfristig aus der Mannschaft genommen. Nach seinem Wechsel ins Profilager, Gombert fuhr für das Team Batavus Alcina, blieben weitere große Erfolge aus. „Der Wechsel kam zu spät“, so Gombert. Mit seiner Erfahrung konnte Gombert jedoch später einem anderen Fahrer der Radsportfreunde Ahlen auf dem Weg zum erfolgreichen Radprofi helfen: „Als Nachwuchsfahrer hat sich Rolf Aldag oft Tipps bei mir geholt.“

 

„Wenn es rund läuft, dann kitzelt es immer noch!“

„Glocke“-Redakteur Uwe Gehrmann sprach mit Martin Gombert

 

gombert-gehrmannAhlen, 14. März 2003 (gl.) Früher war alles besser? Es scheint so. Nehmen wir zum Beispiel die Berge. Letztes Jahr hat sich Martin Gombert seine alten hassgeliebten Freunde wieder vorgenommen. Im Frühtau zu Berge, ein paar Stunden bevor die Profis der Tour de France ankamen, hat er sich zusammen mit seinem Freund Dieter „Fitz“ Peters noch einmal hochgequält. Les Deux-Alpes, 1650 Meter, erste Kategorie, und 2000 Meter den Col de la Madeleine. Die Ehrenkategorie Und siehe da: Fast alles wie früher. Aber nur fast. „Sind doch etwas höher und länger geworden, die Berge“, lächelt Gombert.

Am heutigen Freitag wird er 60 Jahre jung, der erste Radprofi aus Ahlen, der in den 60er Jahren mit seinen großen Erfolgen die Schlagzeilen und Straßen beherrschte. Und er gewinnt sein Duell mit den Bergen genau so wie damals, nur ein wenig langsamer. Wär‘ ja auch gelacht.

„Wenn’s rund läuft, dann kitzelt es immer noch“, hat das Geburtstagskind nichts verlernt, schon gar nicht seinen Ehrgeiz aus den Tagen, als noch alles „rund lief“ und er eine glänzende internationale Karriere vor Augen hatte.

„Das ist einfach drin“, versucht sich Gombert selbst sein Ausnahmetalent als Spross und Senkrechtstarter einer Radsport-Dynastie zu erklären. Opa Josef, Onkel Martin und Papa Lambert hatten es vorgelebt im radverrückten Ahlen, als in der 50er-Jahren noch tausende Zuschauer die Rennen an der alten Hela-Bahn verfolgten. Mit Opas altem Dürkopp-Rennrahmen und Drahtreifen ein erster Versuch als Elfjähriger, drei Jahre später, nach einer Fußballpause bei Westfalia, das erste Jugend-Rennen. „Beim Fußball haben immer elf gewonnen. Ich wollte aber allein siegen“, lockte der Ruhm. Der ihm bei seiner Premiere nur durch den ersten Sturz verwehrt blieb. Egal. Aufstehen, Mund abputzen und weiter. Die Mentalität des Erfolges.

Der gab ihm Recht. Im ersten Jahr als Amateur kam der Ahlener Zechenlehrling auf 45 Platzierungen in 50 Rennen, rutschte gleich in die A-Klasse und mit 21 Jahren trat Gombert schon für die Deutsche Nationalmannschaft in die Pedale.

Feuer muss nicht olympisch sein

gombert-portrait„Das war das erste Mal, dass ich ein Trikot geschenkt bekam“, erinnert sich Martin Gombert daran, wie er zu Hause stolz sein erstes Leibchen des Bundes Deutscher Radfahrer auspackte. In dem er fünf Jahre lang seine größten Erfolge einfuhr und in dem er seine größte Enttäuschung erlebte.

Aber zuerst die goldenen Jahre mit unzähligen Höhepunkten. „Eine herrliche Zeit“, gesteht Gombert, in der er unter anderem 1967 die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt gewann, zwei Mal in Luxemburg Zweiter wurde, die Tour de Lavenier in Paris unter den ersten 20 abschloss, die Mexico-Rundfahrt als Sechster beendete, zwei Mal Bronze bei Deutschen Meisterschaften holte und bei der Weltmeisterschaft im Mannschaftszeitfahren in den Niederlanden Vierter wurde.

Und natürlich bei den Sechs-Tage-Rennen und im Heimspiel abräumte. Zwei Mal Sieger des Ahlener „Industrie- und Handelspreis“ vor 10.000 Fans. Erster Preis: ein Schlafzimmer. „Das hab ich schon vorher verkauft gehabt“, erinnert er sich.

Inzwischen vergeht Gombert die gute Laune auch nicht mehr, wenn er an seine größte Niederlage denkt. 1968, zwei Wochen vor Abflug zu den Olympischen Spielen in Mexico, wurde er vom BDR ausgemustert. Gombert und seine Leistung litten unter einer Kieferhöhlen-Vereiterung, Grund für die Verantwortlichen, ihn daheim zu lassen. Er hat die Enttäuschung längst verwunden, aber damals war es hart, zumal er sich ungerecht behandelt fühlte. Der Beweis: Als die Nationalkader-Kollegen in Mexico fuhren, wurde Gombert Dritter bei der Katalonien-Rundfahrt. Keine Leistung? Denkste!

„Wenn ich dann nicht Profi geworden wäre, hätte ich nie gewusst, wie es gewesen wäre“, entschloss er sich dann zu einem längst überfälligen Schritt, den er nur wegen der Olympischen Spiele zwei Jahre aufgeschoben hatte. Eigentlich zu lange. „Ich war schon drüber hinaus und nicht mehr derselbe Gombert von früher“, charakterisiert er die vier Profi-Jahre und die kurze Zeit nach der Re-Amateurisierung, als der Batavus-Stall aufgelöst worden war.

Mit 32 Jahren hat er dann das Rennrad endgültig an die Kellerwand gehängt, eine Pause, die er bis vor drei Jahren durchgehalten hat. Da ist er wieder angefangen zusammen mit seinem Weggenossen „Fitz“ Peters.

„Glauben Sie mal ja nicht, dass der einen Tritt langsamer fährt, wenn ich anfange zu hecheln“, freut sich Gombert auf jede Tour, egal ob bei schlechtem Wetter „auf Rolle“ im Keller, 150 Kilometer durch die Beckumer Berge oder wie letztes Jahr noch den Col de Madeleine hoch.

Heute wird mit 80 Gästen Geburtstag gefeiert und morgen geht’s wieder in den Sattel. Wirklich? „Na ja, aber Sonntag ganz bestimmt“, lächelt Martin Gombert. Das Feuer, auch wenn’s nie olympisch war, brennt wieder, auch wenn inzwischen die Berge höher scheinen und die Strecken länger.

Fotos

Martin Gombert war der erste Ahlener Radprofi – und ein verdammt erfolgreicher obendrein. 1967 gewann er die Rheinland-Pfalz-Rundfahrt, zwei Mal wurde er Zweiter der Luxemburg-Rundfahrt, die Mexico-Rundfahrt beendete er als Sechster, holte zwei Mal Bronze bei Deutschen Meisterschaften und wurde bei der Weltmeisterschaft im Vierer-Mannschaftszeitfahren über 100 Kilometer sensationell Vierter.

Uns zeigt er einige Fotos seiner Karriere.